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Comedian Harmonists

 

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Die Comedian Harmonists haben nichts von ihrer Faszination verloren. Wer kennt nicht den 'Kleinen grünen Kaktus' oder die Frühlingshymne 'Veronika, der Lenz ist da'. Lesen Sie die Geschichte dieses aussergewöhnlichen Ensembles.
 

Comedian Harmonists

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1927: Harry Frommermann wird durch Schallplatten der amerikanischen Revelers (deutsch meist: Revellers inspiriert und kommt auf die Idee, ein ähnliches Gesangsensemble zu bilden, er schreibt dafür mehrere Partituren, ehe er am 18.12.1927 im Berliner Lokalanzeiger eine Zeitungsannonce schaltet, um nach geeigneten Sängern zu suchen (siehe links). Am 29.12.1927 findet das Vorsingen in Frommermanns Mansardenwohnung in der Stubenrauchstraße 47 statt, veranstaltet durch Theodor Steiner (Bariton) und Harry Frommermann (Piano/Arr.): Gefunden wird der Baß Robert Biberti. Durch Biberti werden der erste Tenor Asparuch Leschnikoff und der Bariton Walter Nußbaum mitgebracht. Frommermann, der ursprünglich nicht mitsingen sollte, schrieb sich aber nach einiger Zeit eine eigene 5. Stimme als Tenor-Buffo und Instrumentenimitator in die Partituren.


Am 16.01.1928 findet die erste Probe bei Frommermann statt - anfänglich ohne Klavierbegleitung. Es folgen monatelange Proben ohne Entgelt, neben der Tätigkeit der einzelnen als Chorsänger. Immer wieder hören die fünf die Platten der Revellers, um sich zu inspirieren, und anfänglich singt man fast ausschließlich englische Titel. Erst allmählich bildet sich ein eigener Gesangsstil heraus, der freilich erst Ende 1929 zum Klang der Comedian Harmonists wird.

Am 01.04.1928 gründen Frommermann und Steiner die Gesellschaft bürgerlichen Rechts The Melody Makers. Frommermann und Steiner werden als Inhaber, Biberti, Leschnikoff und Nußbaum als weitere Mitwirkende eingetragen. Nach einigen Wochen beschließt man, den Partituren eine Klavierbegleitung hinzuzufügen, und Leschnikoff schlägt den Pianisten Erwin Bootz vor, der die Gruppe dann auch Ende April 1928 erweitert.


Der Mai 1928 bringt den nächsten Umbruch in der Gruppe. Am 08.05.1928 scheidet Theodor Steiner aus unbekannten Gründen aus. Den Part des Baritons übernimmt Roman Cycowski, den Leschnikoff und Biberti aus dem Chor des Großen Schauspielhauses kennen, und bereits am 10.05.1927 machen die Melody Makers erste Probeaufnahmen für Schellack-Platten bei der zum Lindström-Konzern gehörenden ODEON-Gesellschaft. Die Platte wurde aber nie veröffentlicht. Kurz darauf, im Juni 1927 singt man zu ersten Mal öffentlich vor, beim Direktor der Scala. Das Vorsingen endet mit einem vernichtenden Urteil.

Im August 1928 findet ein erneutes Vorsingen bei einem Agenten statt. Sie erhalten ein Engagement beim Revue-König Eric Charell für seine Revue Casanova mit Michael Bohnen im Großen Schauspielhaus. Dort findet das Debüt der Gruppe unter dem Namen Comedian Harmonists als böhmische, italienische und spanische Sänger statt. Die Premiere ist am 28.09.1928 und bringt einen Riesenerfolg. Die Revue läuft ununterbrochen bis Ende Februar 1929. Nebenbei tritt man in Nachtlokalen und im Kabarett der Komiker auf und macht 15 Plattenaufnahmen (= 30 Titel) für die ODEON, anfänglich unter der Bezeichnung Comedian Harmonists - Die deutschen Revellers.

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Gleich nach Ende des Engagements im Großen Schauspielhaus treten die Comedian Harmonists im März 1929 erstmals außerhalb von Berlin auf, im Hansa-Theater Hamburg. Es folgt, wieder aus ungeklärten Gründen, ein Umbruch in der Gruppe. Nußbaum verläßt das Ensemble, und der durch Bootz gewonnene Erich Collin übernimmt anstelle von Walter Nußbaum den Part des 2. Tenor. Nach zweimonatigen Proben trauen die Comedian Harmonists sich wieder, öffentlich aufzutreten. Im Mai 1929 sind sie im Groß-Köln in Köln engagiert, im Juni 1929 folgt ein Engagement am Berliner Varieté Scala in einem Nummernprogramm, im Juli ein Engangement im Blauen Engel und im Juli eins im Plaza.

5. September 1929: Premiere der Revue Zwei Krawatten von Mischa Spoliansky am Berliner Theater mit Rosa Valetti, Hans Albers, Marlene Dietrich sowie den Comedian Harmonists in kleinen Rollen und mit Gesangseinlagen in ihrem Stil. Nebenbei absolviert man weitere Auftritte in Kabaretts und Varietés. Begegnung mit den amerikanischen Revellers in Berlin.

Oktober 1929
Im Oktober 1929 läuft der Vertrag mit Odeon aus und wird nicht verlängert. Stattdessen schließen die Comedian Harmonists einen Schallplattenvertrag mit der Fa. ELECTROLA ab.

Am 19.10.1929 treten die Comedian Harmonists zum ersten Mal im Rundfunk auf.

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Dezember 1929. Die Revue Zwei Krawatten wird am Leipziger Schauspielhaus inszeniert, die Comedian Harmonists treten mit einem erweiterten Programmteil auf. Durch weiteres intensives Proben und Erweiterung des Repertoires bereitet man sich auf die ersten eigenen Konzerte vor. Das erste selbständige Konzert mit abendfüllendem Programm findet am 26.01.1930 im Leipziger Schauspielhaus statt: Tempo Varieté. Es bringt rasenden Erfolg, und man begibt sich auf eine Tournee durch ganz Deutschland, wobei zur "Auffüllung" des Programms Gastauftritte anderer Künstler eingebaut wurden, so u.a. Blandine Ebinger und Lu Basler.

Im Sommer 1930 wirken die Comedian Harmonists erstmalig bei Filmen mit: Gassenhauer mit Hans Deppe, Wolfgang Staudte, Ernst Busch, Willy Schaeffers; Die drei von der Tankstelle mit Willy Fritsch, Lilian Harvey, Heinz Rühmann, Oscar Karlweiss, Olga Tschechowa.

6. September 1930
Premiere der Revue Wie werde ich reich und glücklich? von Mischa Spoliansky und Felix Joachimson im Leipziger Schauspielhaus. Dies ist die letzte Revue, in der die Comedian Harmonists auftreten. In einer Nebenrolle tritt auch die Ehefrau von Harry Frommermann, Erna Eggstein-Frommermann, auf. Aus dieser Revue stammt das Lied Auf Wiederseh'n, das die Comedian Harmonists später fast immer am Schluss ihrer Konzerte sangen, jedoch nie auf Schallplatte aufnahmen.

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Im November 1930 treten die Comedian Harmonists zum ersten Mal im Ausland auf: in Amsterdam. Im Dezember 1930 verläßt Bootz das Ensemble für eine Solokarriere als Pianist und Sänger im Kabarett der Komiker. Er wirkt im Film Abschied mit. Als Pianist kommt Walter Joseph ins Ensemble. Am 24.März 1931 tritt man in dieser neuen Besetzung beim Geburtstag des niederländischen Dirigenten Willem Mengelberg auf, der ein großer Fan der Comedian Harmonists ist. Im Juli 1931 kehrt Bootz ins Ensemble zurück und löst damit Walter Joseph wieder ab.

1930-1933: Wachsender Erfolg und Berühmtheit. Phase des größten künstlerischen und geschäftlichen Erfolges. Bis zu 150 Konzerte im Jahr. Auftritte in allen größeren Städten Deutschlands. Konzerttourneen durch ganz Europa. Plattenaufnahmen (bei der ELECTROLA 1929 bis 1935: Aufnahme von 69 Platten = 138 Titel ). Rundfunkauftritte. Entsprechender Verdienst und damit verbundener Wohlstand.

1931 wirken die Comedian Harmonists an zahlreichen Spielfilmen mit: Ihre Hoheit befiehlt mit Willy Fritsch, Käthe von Nagy, Paul Hörbiger; Bomben auf Monte Carlo mit Hans Albers, Heinz Rühmann, Anna Sten; Der ungetreue Eckehart mit Paul Hörbiger; Der falsche Ehemann mit Johannes Riemann. Ferner sind sie in den Kurztonfilmen Das Kreuzworträtsel, Der Durchschnittsmann und Kabarettprogramm Nr. 6 zu sehen. 1932: Weitere Mitwirkung in Spielfilmen: Der Sieger mit Hans Albers, Käthe von Nagy; Ich bei Tag und Du bei Nacht mit Willy Fritsch, Käthe von Nagy; Die Galavorstellung der Fratellinis mit Alfred Abel, Olga Tschechowa. Des weiteren sind sie in dem Kurztonfilm Die Comedian Harmonists singen Volkslieder zu sehen.

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Anfang 1932 treten sie zum ersten Mal in der Berliner Philharmonie auf, ein Haus, in dem eigentlich die klassische Musik den Ton angab.

Im Januar 1933 beginnt mit der Machtergreifung Hitlers das nationalsozialistische Deutschland. Erste Auswirkungen der nationalsozialistischen Kunstauffassungen werden sichtbar: beginnender stillschweigender Boykott der Gruppe durch Konzertagenturen und beim Rundfunk, u.a. wegen der Mitwirkung von drei jüdischen Sängern (Frommermann, Cycowski, Collin). 1933 gibt es die letzte Mitwirkung der Comedian Harmonistst in einem Film: Kleiner Mann, was nun? mit Fritz Kampers, Theo Lingen, Victor de Kowa. Die Szenen mit der Gruppe wurden später aus dem Film entfernt!

Ab November 1933 darf nur einen musikalischen Beruf ausüben, wer Mitglied der Reichskulturkammer ist. Die Mitglieder der Comedian Harmonists stellen daraufhin entsprechende Anträge auf Mitgliedschaft. Derweilen häufen sich die Angriffe in der Nazipresse: "widerliches Gequäke"!, "plärrende Jazztechnik". Dennoch tritt man Anfang 1934 noch bei einem Konzert auf dem Panzerkreuzer Leipzig in Bremerhaven auf.

Im März 1934 erfolgen erste Verbote von Konzerten wegen der Nichtmitgliedschaft in der Reichsmusikkammer. Es gibt Störungen und Provokationen bei Konzerten. Am 13. März 1934 erhielten die Comedian Harmonists einen Brief, in denen ihnen mitgeteilt wurde, daß sie bezüglich Auftritten in Deutschland nur noch bestehende Verträge erfüllen, aber keine neuen abschließen dürften.

Hervorgerufen durch die politischen Einflüsse von außen, kommt es im April 1934 zu ersten internen Streitigkeiten: Die "arischen" Mitglieder machen die "nichtarischen" für die finanziellen Einbußen verantwortlich und fordern von ihnen den Verzicht auf einen Teil der Einnahmen und somit eine Änderung des Gesellschaftervertrages, der jedem Mitglied gleiche Anteile am Gewinn garantierte. Ein eingeschalteter Rechtsanwalt konnte beide Seiten davon überzeugen, den vorhandenen Vertrag bestehen zu lassen.

Aus Mangel an Alternativen beginnnen die Comedian Harmonists ab Mai 1934 damit, ihre Konzerttätigkeit ins Ausland zu verlegen, vor allem nach Frankreich. Nach einem Gastspiel in Dänemark bricht man im Juni 1934 zu einer Tournee in die USA auf. Man absolviert Radioauftritte bei der NBC in New York. Den größen Eindruck aber macht auf die 6 Musiker der Auftritt auf dem Flugzeugträger Saratoga, gemeinsam mit amerikanischen Künstlern. Trotz der wohlwollenden Aufnahme der Comedian Harmonists in den USA kann sich die Gruppe nicht dazu durchringen auszuwandern. Überlegungen dieser Art werden von den "arischen" Mitgliedern abgelehnt.

Nach der Rückkehr aus den USA im August 1934 nehmen die Comedian Harmonists zunächst nur Platten auf, bevor sie im November 1934 zu einer Tournee durch Italien aufbrechen, die ein voller Erfolg wird. Eine weitere Tournee für das Frühjahr wird angekündigt, aber nicht mehr angetreten.

Gleichzeitig nehmen die Zerwürfnisse innerhalb der Gruppe gegen Ende 1934 zu. Anfang 1935 fasst man schließlich den Beschluß zur Trennung. Anfang Februar 1935 findet das letzte Konzert der Comedian Harmonists in Frederikstad (Norwegen) statt. Man kehrt zurück nach Berlin und macht noch einige Schallplattenaufnahmen. Ende Februar erreicht die Comedian Harmonists ein Brief von der Reichsmusikkammer. In diesem Schreiben vom 22. Februar 1935 werden die arischen Mitglieder der Comedian Harmonists in die 'Reichsmusikerschaft' aufgenommen. Diese erhalten damit die Möglichkeit, "mit anderen arischen Musikern nach Zulegung eines deutschen Namens anstelle der Bezeichnung 'Comedian Harmonists' ihre musikalische Tätigkeit auszuüben". Den "nichtarischen" Mitgliedern wird die Aufnahme verwehrt, was einem Berufsverbot gleichkommt: "Diese haben dadurch das Recht auf Berufsausübung verloren".

Trotz des Verbots erfolgte die letzte Schallplattenaufnahme bei der ELECTROLA am 28.02. oder 01.03.1935.

10. März 1935: Aufgrund eines Scheinvertrages einer Wiener Konzertagentur verließen Harry Frommermann und seine Frau Erna, Marie Cycowski sowie Fernande und Suzanne Collin Deutschland in Richtung Wien. Roman Cycowski blieb noch bis Ende April 1935 in Berlin und folgte dann nach Wien. Erich Collin war nach Paris gereist und ließ dort am 15. März 1935 eine GmbH mit dem Namen Comedian Harmonists registrieren. Schließlich bestätigten sich Arier und Nichtarier gegenseitig schriftlich, dass sie sich nicht bei der künstlerischen Betätigung unter dem Namen Comedian Harmonists behindern werden. Das war das Ende der Comedian Harmonists. Die meisten von ihnen sahen sich nie wieder.

Formation: Ari Leschnikoff 1. Tenor
  Erich Collin 2. Tenor
  Harry Frommermann 3. Tenor
  Roman Cycowski Bariton
  Robert Biberti Bass
  Erwin Bootz Piano

 

Textquelle  www.comedian-harmonists.com / Bildquelle www.comedian-harmonists.de